Suchtberatung: Warum niemand verloren ist
Shownotes
Sucht betrifft mehr Menschen, als wir oft denken und sie hat viele Gesichter. In dieser Folge von Stille Helden spricht Gastgeberin Melanie Scharfe mit Heike Groenewald und Karin Dittmers von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention im Kirchenkreis Verden.
Gemeinsam werfen wir einen Blick hinter die Kulissen ihrer Arbeit: Wie entstehen Suchterkrankungen? Kann wirklich jeder süchtig werden? Welche Rolle spielen Familie, Umfeld und persönliche Krisen? Und warum sind Hobbys, Gemeinschaft und echte Gespräche oft die beste Prävention?
Eine ehrliche und informative Folge über Menschlichkeit, Hoffnung und die Bedeutung von Unterstützung bevor aus Konsum eine Abhängigkeit wird.
Stille Helden ist ein Podcast der Mediengruppe Kreiszeitung. Produktion dieser Folge: Melanie Scharfe. Feedback und Anregungen gerne an podcast@kreiszeitung.de.
Impressum: https://www.mediengruppe-kreiszeitung.de
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Stille Helden.
00:00:19: Heute habe ich zwei ganz besondere Damen bei mir, und zwar einmal die Frau Heike Gronewald Karin Ditmas.
00:00:25: Diese
00:00:25: beiden Damen sind bei der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention im Kirchenkreis Pferden unterwegs, und ja dazu habe ich einige Fragen an euch beide!
00:00:34: Es ist schön dass ihr erstmal bei mir seid, bei uns im Studio freue ich mich sehr drüber.
00:00:38: und ich hab zuerst noch eine ganz spannende Frage.
00:00:41: wenn ihr euren Beruf einmal beschreiben müsstet in einem einzigen Satz wie würdet ihr das tun?
00:00:49: Ich weiß schwierig
00:00:51: Mir fällt tatsächlich was ein, viel
00:00:53: Action
00:00:54: immer alles neu.
00:00:57: Und für mich als Therapeutin immer die Ruhe bewahren und krisenfest
00:01:00: sein?
00:01:01: Oh das klingt gut!
00:01:03: Aber jetzt wissen natürlich unsere Hörerinnen und Hörern und Zuschauen denen natürlich nicht, was machen sie denn beruflich eigentlich?
00:01:09: Können Sie das nochmal ein bisschen definieren?
00:01:13: Ja
00:01:14: wir arbeiten beide in der Beratungsstelle, in der Fachstelle Sucht- und Suchprävention haben aber unterschiedliche Arbeitsbereiche.
00:01:22: Die Fahrstelle sucht ja mehrere Facetten, sage ich mal so und mein Beruf ist sozusagen... Ich bin Leitung da, aber auch in dem Beratung und im therapeutischen Prozessen mit dabei und mache eben übergeordnete Sachen.
00:01:39: Auch Kurse nochmal MPU-Kurse, betriebliche Suchtberatungen und betrieblichen Suchtpräventionen in den Betrieben zum Beispiel
00:01:47: Zum Beispiel.
00:01:48: Also ganz, ganz große Spektrum eigentlich, dass sie da beide bedienen
00:01:51: und Karin würde ich auch gerne nochmal weitergeben
00:01:53: das Mikro.
00:01:54: Genau also ich bin in der Suchtprävention tätig was auch ein Teil Beratung beinhaltet d.h.
00:02:00: die Beratungen von jungen Menschen und deren Bezugspersonen Eltern oder andere Angehörige aber eben auch ganz viel Prävention in Schulklassen einerseits also die Arbeit mit den Jugendlichen direkt und dann aber auch Prävention mit MultiplikaturInnen, das heißt Lehrkräfteschultsozialarbeitende.
00:02:21: zum einen schul ich die in bestimmten Projekten damit die Präventionsprojekte in ihren Schulklassen durchführen können.
00:02:28: Aber wir stehen denen natürlich auch mit Weiterbildung und Beratung an der Seite was bedeutet sie können bei uns ganz viel Infos kriegen.
00:02:36: wenn Sie Fragen haben zu Substanz Trends zb Das meine ich auch mit irgendwie immer alles neu.
00:02:43: Es verändert sich einfach ganz, ganz viel und wir bieten eben Fortbildungen an zu verschiedenen suchtrelevanten Themen.
00:02:51: Wahnsinn es ist ja wie ich eben schon sagte ein wahnsinnig breites Spektrum!
00:02:55: Wie seid ihr denn eigentlich in eure jeweiligen Bereiche bekommen?
00:02:58: Weil man macht ja sicherlich nicht so eine gezielte Ausbildung für
00:03:01: oder?!
00:03:04: Ja, also ich bin gleich nach dem Studium.
00:03:06: Ich habe soziale Arbeit studiert und bin gleich in den Suchtbereich gegangen und bin jetzt seit sieben, dreißig Jahren oder so dabei und hab unterschiedliche Einrichtungen auch.
00:03:20: Da habe ich gearbeitet aber jetzt ist es im Grunde genommen so dass sich die Beratung... Stelle mache sozusagen oder in der Beratungsstelle arbeite und das ist halt etwas, was mir auch sehr viel Freude macht.
00:03:32: Und was so ein bisschen einen Unterschied zu dem, was ich vorher gemacht habe da hab' ich in einer stationären Einrichtung gearbeitet.
00:03:39: Jetzt macht es mehr Spaß?
00:03:41: Nee, das kann ich gar nicht sagen!
00:03:42: Ich habe da auch sehr gerne gearbeitet in einer sozialtherapeutischen Einrichtungen wo die Menschen ganz lange wohnen und ich die lange begleite.
00:03:52: Und sehr viel Teamarbeit, sehr viel auch so.
00:03:54: Tagestruktur Handwerk habe ich sehr gerne gearbeitet.
00:03:58: aber jetzt nochmal diese neue Aufgabe seit zwölf Jahren
00:04:01: neu
00:04:04: Und ich habe dazu wirklich auch noch eine suchttherapeutische Ausbildung gemacht.
00:04:08: Die gibt es ja nach dem Studium, die ist auch über drei Jahre so eine Therapieausbildung und dadurch können wir eben auch unsere Leistungen abrechnen mit der Krankenkasse und der Rentnerversicherung unserer therapeutischen Arbeit.
00:04:23: Spannend!
00:04:25: Und dann?
00:04:26: Genau, also bei mir war es ein bisschen anders.
00:04:28: Ich bin schon im Studium zu diesem Thema gekommen und zwar gar nicht durch das Studium selber.
00:04:34: ich bin Musikerin nebenbei und ich habe auf sehr vielen Festivitäten Musik gemacht.
00:04:39: also hab mich mein Studium finanziert also Schützenfeste, Erntefeste und da lag das Thema so nah.
00:04:47: Ja
00:04:47: leider auch!
00:04:48: Und ich habe tatsächlich meine Diplomarbeit zum Thema Alkohol-Konsum in ländlichen Strukturen geschrieben Thema Jugend und Sucht eigentlich immer treu geblieben.
00:04:58: Ja, gerade auf Schützenfest.
00:05:00: Ich bin da... Bin ich ehrlich zu Ihnen beiden?
00:05:02: Ich bin schuldig im Sinne der Anklage!
00:05:03: Ich bin seit siebenundzwanzig Jahren im Schützenverein.
00:05:07: Ich
00:05:08: kenne also auch ein bisschen was von... Genau.
00:05:10: Also was nicht heißt das dann nur getrunken wird?
00:05:12: Nein, nein.
00:05:13: Wir
00:05:14: betrachten das Ganze natürlich mit ganz anderen Augen.
00:05:18: Gerade meine Abschlussarbeit war sehr wissenschaftlich und hat sich eben einfach auch mit Rausch an sich beschäftigt er einfach zu uns Menschen dazugehört.
00:05:28: Das ist schon sehr spannend, wie sich diese Strukturen verändert haben.
00:05:31: Wie sich einfach Rituale
00:05:32: verändert
00:05:32: haben und oft ein bisschen ausgehöhlt da geblieben sind.
00:05:37: Beispiel ist mit vierzehn Konfirmationen das erste Mal losgehen und so.
00:05:42: Das sind ja auch Rituaale die teilweise immer noch vorhanden sind und es macht schon Sinn das mal zu hinterfragen.
00:05:49: Ja, also kann ich auch wieder mitreden.
00:05:51: Das ist irgendwie ganz
00:05:52: unangenehm!
00:05:55: Also es ist ja in meinem Fall Gott sei Dank keine Sucht.
00:05:57: aber bei mir war's auch so nach der Konformation oder beider Konformation.
00:06:00: erstes Glas Rotwein durfte ich trinken.
00:06:03: das war irgendwie so drin dass würde irgendwie so fast in die Wiege gelegt an Anführungszeichen.
00:06:08: Aber sprechen wir mal beide oder wie drei.
00:06:10: bitte ein bisschen über den Alltag?
00:06:12: Wie sieht denn die Arbeit konkret aus?
00:06:15: Soll ich starten?
00:06:17: Also bei mir.
00:06:19: im Moment ist es tatsächlich so, dass ich ganz viel in Schulklassen unterwegs bin und zu verschiedenen suchtrelevanten Themen.
00:06:27: Ganz viel ist Cannabis im Moment Thema Medien sind auch großes Thema und Suchtgenese also wie entwickelt sich eigentlich eine Sucht gehört auch immer mit dazu.
00:06:40: Und da bin ich im Moment tatsächlich die rasende Karin, die von Schule zu Schule unterwegs ist.
00:06:47: Von Veranstaltung zur Veranstaltung und gleichzeitig gibt es dann so Sachen... Ich war gestern zum Beispiel auf einem runden Tisch also einen Treffen wo's um das Thema synthetische Cannabinoide geht.
00:06:59: Das ist ein Thema was uns gerade sehr bewegt Wo wir gemeinsam mit Jugendarbeit und Schule daran sind Ideen zu entwickeln wie man damit weiterum gehen kann.
00:07:10: Der Landkreis ist da auch sehr aktiv in diesem Thema, also auch sowas gehört natürlich zu dieser Arbeit.
00:07:15: Also
00:07:16: einfach sich
00:07:16: zu Vernetzen auszutauschen und etwas auch zu entwickeln, Strukturen zu entwickeln, in denen junge Menschen gesund groß werden können.
00:07:25: Das ist eben auch ein großer Teil meiner Arbeit.
00:07:28: oder aber ich gebe Fortbildungen für Lehrkräfteschultsozialarbeitende oder auch Behindertenhilfe und die kommen dann zu uns teilweise für drei Tage eine Fortbildung an.
00:07:39: Da geht es um Veränderungsprozesse und motivierende Gesprächsführung, wie spreche ich eigentlich mit konsumierenden Jugendlichen?
00:07:47: Wie funktioniert Veränderungen als solche Sachen?
00:07:50: Gucken wir uns an!
00:07:51: Und da bereiten wir uns vor die kommen zu uns, die Menschen und bekommen dann eine Intensivfortbildung bei uns.
00:07:58: Wahnsinnig spannend klingt aber auch nach irreviel Stress irgendwie für mich.
00:08:02: Nach viel Abwechslung.
00:08:04: Ja
00:08:04: guter Punkt,
00:08:05: sehr
00:08:06: abwechselnd.
00:08:08: Also wenn Stress dann positiv, also wenn man Dinge in seinem Leben findet hinter denen man stehen kann und die einem Spaß bringen.
00:08:17: Dann ist der Stress ja auch nichts was einen so sehr belastet.
00:08:20: Und wir haben das große Glück dass Heike als Chefin einfach uns machen lässt!
00:08:29: positiven Dinge, also die Dinge, die wir wirklich können ausleben in unserer Arbeit.
00:08:34: Und ja dann macht das natürlich doppelt Spaß wenn man sagt ich habe da eine Idee und die Chefin auch gleich sagt Mensch es hört sich gut an lass uns gucken was wir umsetzen
00:08:43: kann.
00:08:44: Diese Unterstützung ist bestimmt doch wahnsinnig viel wert.
00:08:46: Absolut!
00:08:47: Das ist wirklich wichtig.
00:08:48: Ja bei uns auch so.
00:08:51: Sonst würden mich hier nicht sitzen.
00:08:53: Ich bin ja so begeistert dass ich so tolle Mitarbeiterin hab die so viele Ideen haben.
00:08:58: mal sagen Karin ist auch jemand die immer... ... viele Ideen hat und auch sehr interaktiv mit den Kindern... ...und Jugendlichen arbeitet.
00:09:04: Und das weiß man ja auch, wenn man sich da hinstellt und sagt,... ..."Ja also mit den Drogen ist nicht so
00:09:08: gut.".
00:09:09: Das nützt ja gar nichts
00:09:10: mehr!
00:09:10: Nee, gar
00:09:10: nicht!
00:09:11: Deswegen gibt es immer wieder so tolle Ideen wie kann man die erreichen?
00:09:15: Wie kann man sich mit denen auch unterhalten... ...so dass es irgendwie auf Augenhöhe ist und nicht so komisch rüberkommt... ...wie die Tante, die Oma oder die Mutter wassacht oder so sag ich mal.
00:09:26: Sondern dass wir da immer sehr bemüht sind wirklich da... Wege zu finden.
00:09:32: Da muss ich schon sagen, da ist Karin auch wirklich sehr gut in dem ganzen Bereich.
00:09:38: Wir freuen uns, dass das auch im Landkreis so toll angenommen wird.
00:09:41: Das ist wirklich so!
00:09:42: Und ich glaube wir kennen es alle selber.
00:09:44: Jeder von uns war schon auf Fortbildung oder im Studium vielleicht auch... Es gibt nichts Schlimmeres als wenn vorne jemand steht der einfach nur stumpf sein Ding runterrattet und da bleibt dann ja auch gar nix von hängen.
00:09:55: Wenn man dann solche Mitarbeitenden hat, ist das bestimmt Gold wert.
00:10:01: Mit welchen Vorurteilen wird man denn bei eurer Arbeit so konfrontiert eigentlich?
00:10:07: Ja, also Stigmatisierung von Suchtkrankten.
00:10:10: Da denkt man ja ach das hat sich im Laufe der Zeit verändert.
00:10:13: Also dass zum Beispiel eben keine Vorurteile mehr gibt, dass es ganz normal ist wenn jemand nicht trinkt auf einem Fest.
00:10:21: aber wir erleben immer wieder dass es doch anders ist.
00:10:25: Dass es nicht so selbstverständlich ist mit der Suchterkrankung offen umzugehen wenn man sich bewirbt oder auf dem Fest ist und sagt, ich trink nix.
00:10:34: Ja warum denn nicht?
00:10:35: Jetzt mach doch mal oder so.
00:10:39: Also das ist wirklich schon etwas was wir erleben.
00:10:43: auch Ja, gibt es denn einen Weg so dass man nicht sehen kann das ich in die Fachstelle komme?
00:10:49: Also es gibt auch Scham.
00:10:53: Was ist das überhaupt?
00:10:54: und Suchtkranknähe?
00:10:56: Das will ich nicht sein!
00:10:58: Solche Anteile gibt es ja auch bei den Menschen.
00:11:01: also bis es zu einer Akzeptanz kommt braucht seinen Weg, sag ich mal so.
00:11:07: Dass es gibt natürlich tolle Arbeitgeber auch die sagen ja hab' ich gar kein Problem mit aber da gibt's meist eine Geschichte dahinter die das ermöglicht hat dass zum Beispiel ein betroffener Mensch in der Firma arbeitet und das einfach so positiv darstellen kann oder auch... Das ist dann unter den Freunden klar, dass er trinkt nicht oder kifft nicht Und das ist total in Ordnung.
00:11:29: Da gibt es meistens einen Weg, aber diese Stigmatisierung... Das ist schon ein Thema.
00:11:33: und auch bei Kindern und Jugendlichen natürlich mit Mobbing und was weiß ich nicht alles.
00:11:41: Ich krieg da immer so ein kleines bisschen Gänsehaut weil mir tut das auf der einen Seite wahnsinnig leid Weil viele Süchtige wissen glaube ich gar nicht dass sie süchtig sind oder?
00:11:50: Weil is ja nur das kleine Feierabendbärchen Oder wieso?
00:11:53: Ich kiff doch gar nicht jeden Tag Zwinker, zwinker.
00:11:56: Also ich glaube diese Einsicht zu finden dass man wirklich süchtig ist für die Betroffenen sicherlich auch schwierig oder?
00:12:04: Ja das ist meist auch ein längerer Prozess und es ist ja auch so dadurch dass Alkohol ja auch in der Gesellschaft
00:12:11: sehr
00:12:11: anerkannt ist.
00:12:12: und auch viel trinken wenn man jetzt die Domwei guckt in Pferden.
00:12:19: Da geht man rüber Alkoholausgeschenken.
00:12:22: Also es ist sehr toleriert und bevor man
00:12:26: da
00:12:27: oder ich selbst das Gefühl habe, ich trink zu viel oder dann muss schon irgendwas passieren.
00:12:32: also meistens ist es so dass es Auffälligkeiten gibt entweder im Beruf in der Familie oder selbst körperliche auffälligkeiten sodass dann erst der Punkt kommt darüber nachzudenken.
00:12:43: aber die Sucht beginnt ja meist schon früher dass dann auf einmal der Punkt da ist, ich kann gar nicht mehr ohne.
00:12:52: Ich denke schon viel zu viel daran.
00:12:54: Ich bin jeden Abend eigentlich trinkig was oder so.
00:12:57: also das ist ja schon vorher.
00:12:58: aber diese Erkenntnis der Suchterkrankung
00:13:01: das
00:13:01: dauert oft eine ganze Jahre.
00:13:03: manchmal
00:13:07: Wenn ich jetzt so an den Kinder- und Jugendbereich denke, wir haben zum Beispiel ein Frühinterventionsprogramm.
00:13:12: Das ist auch etwas was die Bundesregierung in das Konsumkannabissgesetz mit aufgenommen hat.
00:13:18: also dass soll ja flankiert werden von bestimmten Maßnahmen und eine Maßnahme das sind die Frühintervenzionsprogramme.
00:13:25: das heißt also dass wir mit Menschen arbeiten mit jungen Menschen die erst auffällig sind in irgendeiner Form mit Drogen.
00:13:32: konsumen kommen manchmal mit so Auflagen zu uns, weil die irgendwo bei erwischt wurden.
00:13:39: Und wenn das dann irgendeinen Zusammenhang hat mit Suchtmitteln, dann landen sie bei uns und ganz oft ist es tatsächlich so – die wollen natürlich überhaupt nicht bei uns sein!
00:13:50: Und ich habe tatsächlich früher immer gedacht, na ja, wenn jemand gar nicht will, dann macht das auch gar keinen Sinn.
00:13:54: Das würde ich überhaupt nicht mehr unterschreiben seitdem ich mich mit diesen jungen Menschen arbeite, weil es wirklich eine Frage der Herangehensweise.
00:14:03: Ich habe vor einiger Zeit einen jungen Mann bei mir sitzen gehabt, der hatte wirklich keinen Bock.
00:14:08: Wirklich so gar nicht!
00:14:09: Und da hab ich gesagt bevor wir anfangen mein Interesse ist es nicht das du aufhörst zu kämpfen und er sagt ja wie?
00:14:15: Nicht?
00:14:16: Ich sag ne, nicht okay.
00:14:19: Und dann habe ich gesagt, was muss denn hier passieren?
00:14:22: Damit du sagst erst mal aber zumindest nicht so schlimm und vielleicht habe ich sogar etwas mitgenommen.
00:14:26: Dann haben wir daran gemeinsam gearbeitet.
00:14:28: Ich habe gesagt, dass ich mir von dir wünschen würde wäre, dass du dich darauf einlässt, dass wir uns deinem Konsum einfach angucken wie konsumierst Du wann kommst, was steht vielleicht dahinter?
00:14:39: Und das war wirklich ein Türöffner für diesen jungen Mann, dass ich überhaupt keinen Wunsch an ihn habe.
00:14:47: Also das hab' ich als Beraterin ja einfach nicht immer zieloffen in eine Beratung rein und ich freue mich total wenn sich ein junger Mensch darauf einlassen kann zu sagen Ich guck mir einfach mal meinen Konsum an und dann passieren so viele tolle Dinge und auch da arbeiten wir mit den jungen Menschen.
00:15:05: eben wir sitzen nicht umquatschen wie wir jetzt sondern einfach interaktive Dinge.
00:15:09: Wir schreiben gemeinsam was auf, gucken wer gibt's vielleicht Alarmglocken?
00:15:14: Welche Schwierigkeiten gäbe es denn wenn du jetzt weniger konsumieren würdest?
00:15:17: Was wird in deinem Freundeskreis dazu sagen?
00:15:19: also so solche Dinge gucken wir uns einfach an und manchmal kann man hier unter richtig so Kroschenfallen hören und dann freue ich mich wenn das passiert
00:15:28: Verständlich.
00:15:29: Meine nächste Frage wäre tatsächlich gewesen, ob es Situationen gibt wo man Menschen nicht erreichen kann.
00:15:35: aber das war jetzt gerade so.
00:15:37: du hast ein kleines Hintertürchen gefunden womit du super arbeiten kannst.
00:15:40: oder gibt es doch Situationen wo man Leute einfach nicht erreicht?
00:15:45: Ja die gibt es natürlich überwiegend fremd motiviert sind, so nennen wir das.
00:15:51: Die gar nicht von sich aus kommen sondern geschickt wurden oder den Führerschein verloren haben und sagen ja jetzt muss ich mir hier mal irgendwas machen und so.
00:15:59: also das ist so aber wir verstehen dass was Karin auch sagte jedes Gespräch als Möglichkeit mit jemandem ins Gespräch zu kommen d.h.
00:16:09: auch Motivationsarbeit zu machen Also nicht ins Gesprächen zu gehen und zu sagen Ja ich weiß ja schon was für ihn richtig ist Das weiß ich ja So und das sage ich auch Sondern eher zu gucken Mensch Wo steht jemand?
00:16:20: Da ist jemand nicht selbst motiviert.
00:16:24: Und können Sie sich vorstellen, warum sie hierher geschickt worden sind und mal so gucken was könnte denn eine eigene Motivation sein usw.
00:16:38: Das ist uns schon ganz wichtig.
00:16:39: aber wir haben natürlich auch immer Menschen die wir nicht erreichen oder Wir haben ja auch noch so einen Bereich der aufsuchenden Arbeit.
00:16:49: Das sind die Menschen, die auch chronisch suchterkrankt sind also die dauerhaft über viele Jahre trinken oder Drogen nehmen wo eine lange Zeit der Motivationsarbeit wichtig ist um das Leben wirklich in den Alltag zu verändern.
00:17:07: im Alltag.
00:17:08: und da gibt es auch Menschen wo wir sagen okay da geht nicht mehr da ist auch nicht mehr möglich, was zu machen.
00:17:17: Aber ein Bemühen oder diese Neugier haben wir uns glaube ich alle erhalten – diese Neu-Gear auf Menschen und zu schauen ja du bist da!
00:17:28: Und was ist das, was du mitbrängst?
00:17:30: Das muss auch nicht ein Ziel haben sondern es darf erst mal ganz unbedarft sein und wir überzeugen niemanden sondern wir wollen die eigene Motivation stärken.
00:17:42: Sehr schön.
00:17:43: Wie geht man denn damit eigentlich um, wenn... Wenn man so eine Person hat wo man dachte das funktioniert wie kriegen wir es hin?
00:17:51: Sie dann vielleicht doch sich verabschiedet und man sie nie wieder sieht?
00:17:53: also wie geht man persönlich damit
00:17:55: um?
00:17:58: Ja also da gibt's glaube ich Unterschiede.
00:18:00: wenn man die sehr lange betreut hat Dann hat man auch einen eigenen längeren Prozess und sagt ach das ist aber schade.
00:18:07: oder Ich merke dass dass mir das schwerer fällt, den loszulassen.
00:18:11: Oder ich brauche dann auch mal Kolleginnen oder Kollegen, die mich so unterstützen und sagen ja Mensch du hast doch viel gemacht oder es ist viel passiert und da sind ja unsere Grenzen.
00:18:23: Wir sind eine ambulante Einrichtung.
00:18:26: wir haben ja nicht vierundzwanzig Stunden sieben auf so zu was zum Beispiel sondern wir können in Phasen des Tages da sein und das kann auch schon mal sein, dass jemand es nicht ausreicht.
00:18:41: Aber wenn jemand jetzt zum Beispiel ins erste Gespräch kommt und man merkt naja man hat so nicht den Draht gefunden dann kann man freundlich sagen okay vielleicht ist es an einem anderen Zeitpunkt besser noch kann ich die auch gehen lassen.
00:18:54: aber wenn das so längere Betreuung ist schon was anderes.
00:18:58: Lernt man, glaube ich auch mit den Jahren der Berufseffahrung natürlich?
00:19:03: Wenn Sie mich jetzt ins kalte Wasser schmeißen würden, das ist natürlich gänzlich doof wäre aber... Ich glaube, ich könnte ganz schwer mit solchen Menschen umgehen weil ich einfach so wahnsinnig empathisch bin teilweise und da muss man für sich selbst diesen gesunden Abstand finden.
00:19:20: Was ganz wichtig ist, dass wir noch mal darüber sprechen wie definieren wir denn Erfolg Teil, was wir in der Fortbildung machen mit Lehrkräften und Schulsozialarbeiten.
00:19:30: Das wird darüber sprechen.
00:19:31: Erfolg ist nicht wenn er jetzt ausgeht aus der Tür und von heute auf morgen aufhört zu konsumieren.
00:19:37: Erfolg ist tatsächlich auch wenn jemand sich Gedanken über seinen Konsum macht und das sind alles Prozesse.
00:19:45: wenn sich jemand auf dem Weg macht aus der totalen Absichtslosigkeit in Richtung ich denke mal darüber nach in Richtung Veränderung dann haben wir vielleicht einen Prozess angestoßen, den wir überhaupt nicht sehen von außen.
00:19:59: Wir können das von Außen nicht sehen.
00:20:01: und so wie Heike gerade gesagt hat jedes Gespräch ist eigentlich wertvoll.
00:20:05: Und wenn jemand der eine Auflage vom Gericht hat und sagt ich gehe jetzt fünf mal zur Suchtprävention Ich habe überhaupt keinen Bock da drauf zur Beratung zu gehen Wenn er dann rausgeht und sagt ja okay die sind vielleicht ganz nett Dann haben wir auch schon viel gewonnen.
00:20:21: Aber vielleicht kommt dieser Mensch irgendwann an einem Punkt wo er sich erinnert Die waren doch vielleicht ganz nett und vielleicht können die mir jetzt helfen.
00:20:30: Also dieses Angebot offen zu halten, das ist so wichtig und den Menschen einfach die Tür aufzuhalten.
00:20:36: Und es machen wir eben auch in den Schulveranstaltungen dass wir das immer wieder sagen hey und wenn ihr einen Referat machen müsst Wir haben Materialien kommt her.
00:20:43: also einfach, dass wir wahrgenommen werden als Einrichtung, die im Zweifelsfall da ist.
00:20:49: und wenn sich die Leute dann an uns erinnern finde ich,
00:20:53: Und genau deswegen seid ihr hier bei mir, bei stiller Helden.
00:20:57: Weil ihr meines Erachtens nach nicht genügend wahrgenommen werdet und wir sorgen jetzt dafür dass ihr mehr wahr genommen werdet.
00:21:05: Sehr gerne sehr gerne!
00:21:07: Wir haben uns ja schon einmal ganz kurz für einen anderen Podcast kennengelernt aber da musste ich leider schnell weiter.
00:21:12: Aber deswegen bin ich nämlich darauf gekommen weil mir ist auch erstmal wichtig zu klären Kann denn wirklich jeder so stich werden?
00:21:19: Ich weiß, das ist eine schwierige Frage.
00:21:20: Für meine schwierigen Fragen bin ich auch bekannt?
00:21:22: Ja!
00:21:25: Also grundsätzlich muss man das mit ja beantworten weil es gibt jetzt keine Ausnahmen oder so dass man sagt also das ist ein Mensch der nie süchtig werden kann.
00:21:37: Das gibt es meiner Meinung nach nicht.
00:21:39: aber es gibt schon Bedingungen die eine Sucht begünstigen sagen wenn wir mal suchen.
00:21:47: wenn man in einer Familie aufwächst, wo die Eltern sucht krank sind zum Beispiel.
00:21:52: Oder überhaupt unter schwierigen Bedingungen, wenn man so traumatische Erlebnisse hat, die man nicht gut verarbeitet hat.
00:22:01: Es gibt ja traumatische Erlebnisse, die man ganz gut verarbeitet.
00:22:04: Aber wenn es so Hürden gibt in der Entwicklung, sag ich mal das spielt sich ja viel in der Kindes- und Jugendentwicklung ab dass da auch Mechanismen entstehen wo man sozusagen lernt, dass ein Suchtmittel einem schnell hilft.
00:22:21: Das ist jetzt mal ein bisschen platt gesagt.
00:22:23: aber so dass einem Suchtmittel oder das Eltern das auch benutzen um sich zu beruhigen um das Wochenende zu gestalten oder sonst was.
00:22:33: Um auf
00:22:33: andere Gedanken vielleicht auch
00:22:34: einfach zu kommen?
00:22:35: Genau, also da ist Sucht immer so ein Mittel der Wahl und wenn man das früh lernt dann ist es natürlich auch möglich dass man auch suchtkrank wird.
00:22:46: ich kenne aber Kinder aus Suchtkrankenfamilien, die sagen ich habe noch nie einen Schluck Alkohol getrunken weil ich das so stressig erlebt hab bei meinen Eltern.
00:22:54: Da könnte man sagen ja sie werden nie süchtig aber das kann man ja nicht grundsätzlich sagen sondern in einer anderen Familie ist es so dass genau die Kinder auch sucht krank werden.
00:23:03: also das ist oder eine Disposition haben für psychische Erkrankungen dann muss es vielleicht keine Suchterkrankung sein.
00:23:10: Also es hängt schon ganz schön viel von den äußeren Bedingungen ab die man als Kind und Jugendlöcher und junger Erwachsene vorfindet.
00:23:18: Und was lerne ich,
00:23:20: um
00:23:21: gut und angemessen mit Krisen, mit Gefühlen im Familiensystem in Beziehung das ist auch ganz wichtig zu leben ohne auf Suchtmittel zurückzugreifen?
00:23:33: Also
00:23:33: was
00:23:33: bekomme ich damit?
00:23:34: Was lerne Ich da?
00:23:37: oder ich sage auch immer gute Hobbys zu haben ist einfach eine wahnsinnige Suchtrevention.
00:23:43: wenn Kinder Reiten, Sport, Musik oder einfach ... kreativ sind oder auch in der Natur sind, das ist die beste Suchtprophylaxe, die es gibt.
00:23:55: Würdest du auch sagen?
00:23:57: Das ist eine meiner Fragen tatsächlich, die wir oft als Anfragsübung machen.
00:24:01: Machen wir immer so ne Aufstellungsübung mit den Kindern und Jugendlichen in einigen unserer Veranstaltungen.
00:24:06: Und da frage ich dann immer einige Sachen.
00:24:08: Also was weiß ich ... Ich kenn mich aus mit dem Thema Sucht und ja, was heißt denn das eigentlich?
00:24:14: Eine Frage ist zum Schluss immer, ich habe einen Hobby!
00:24:16: Dann sagen sie mir Was hatten das jetzt mit Sucht zu tun?
00:24:19: Ja genau, was hat das mit Suchz zu tun.
00:24:22: Es ist einfach dieses gute Gefühl.
00:24:25: Warum macht ihr euer Hobby?
00:24:26: Weil es mir Spaß bringt!
00:24:27: Na klar du hast etwas gefunden, was dich ausfüllt, was
00:24:31: dir
00:24:32: Freude verschafft und was dir ein gutes Gefühl verschafft.
00:24:35: Und wenn ich ein gutes Gefühl habe, dann brauche ich nichts suchen, was mir gute Gefühle macht.
00:24:40: Richtig.
00:24:40: So erkläre ich's auf den Kindern und Jugendlichen.
00:24:42: Das ist immer gut nachvollziehbar.
00:24:44: Ich denke das ist auch Danke dafür.
00:24:48: Möglichkeit für unsere Hörerinnen und Hörern, da so ein kleines bisschen mehr einzusteigen.
00:24:52: Weil Sucht ist immer ... Ich finde, Sucht is so'n ganz großes Wort was aber ja in ganz ganz viele kleine Wörter eigentlich aufgedröselt werden muss.
00:25:00: Sucht, der denken ja die meisten Alkohol.
00:25:03: Aber so ist es ja einfach nicht ne?
00:25:04: Es gibt die Medien-Sucht, das gibt die Drogensucht einfach und und und.
00:25:07: Da gibt's ja so wahnsinnig viel!
00:25:11: Wie bedient ihr das alles?
00:25:13: Also, dass ist jetzt eine ganz dofe Frage vielleicht.
00:25:16: Aber es gibt ja einfach so viele Süchte wirklich von Medien über Glücksspiel, über Alkohol, über Drogen.
00:25:22: also man kann nach fast allen süchtig werden.
00:25:26: Ich sag's
00:25:27: mal von der Präventionsseite aus.
00:25:29: Du sagst gleich nochmal was von der Therapie und Beratung Seite aus.
00:25:34: Von der Präsentionsseite haben wir tatsächlich ganz viele verschiedene Programme zu verschiedenen Suchtmitteln sowohl substanzabhängig als auch unabhängiger, wobei wir nicht so in die Tiefe gehen was Spezialgeschichten illegale Suchtenmittel.
00:25:55: über Cannabis und Konsorten hinaus, weil wir in jeder Klasse auch immer Sensation Seeker sitzen haben.
00:26:03: Also junge Menschen die das dann sehr interessiert aufnehmen und Lust haben Dinge auszuprobieren.
00:26:10: Das heißt also da arbeiten wir niemals mit dem Gießkannen-Prinzip.
00:26:14: Da machen wir tatsächlich wie entsteht Sucht?
00:26:17: was ist eigentlich sucht?
00:26:18: wovon kann man eigentlich süchtig werden?
00:26:20: Da kommt das natürlich auch mal.
00:26:21: es kommen von den Kindern aber wir sprechen eben auch genau darüber.
00:26:27: Es ist nicht nur der Mensch, der in der Ecke liegt betrunken sondern was es eigentlich mit unseren alltäglichen Süchten.
00:26:35: Wenn ich am Anfang frage, ich kenne jemandem, der süchtig ist dann stehen immer welche bei Nein.
00:26:40: und dann frage ich die anderen an welches Suchtmittel habt ihr gedacht?
00:26:43: Und dann kommt ganz schnell Rauchen oder Wapen.
00:26:46: so also wie alle kennen jemanden der raucht oder wapet Was das mit Kaffee sucht mit Zucker, also das ist dann die Sucht nach hochverarbeiteten Lebensmitteln.
00:26:59: Also und genau das besprechen wir um so ein bisschen Entstigmatisierung zu machen.
00:27:04: Hey!
00:27:05: Wir kennen alle Leute, die süchtig sind und wahrscheinlich sind einige von uns auch betroffen.
00:27:11: Und das machen wir in der Prävention eben auf die Art und Weise, dass wir uns wirklich das große Thema angucken wie entsteht Sucht?
00:27:19: Also, dass sie uns das angucken und dass wir Wege da hinaus zeigen wo gibt es eigentlich Hilfe, Hilfesysteme aufzeigen in Schule und eben außerhalb und uns bestimmten Suchtmitteln wie Cannabis, Alkohol usw.. und Medien eben auch noch mal speziell widmen, auch Spielsucht ist auch etwas was wir
00:27:39: abdecken.
00:27:40: Ja
00:27:40: in der Therapie und Beratung ist es so dass wir uns entschieden haben das bestimmte Mitarbeiter sich so spezialisieren auch.
00:27:49: Da haben zum Beispiel eine Mitarbeiterin, die sich in der Beratung nur auf Medienabhängigkeit oder exzessiven Medienkonsum spezialisiert hat und die guckt dann auch immer und macht Fortbildungen entsprechend was wir dann finanzieren also dass sie einfach diejenige ist, die da am besten Bescheid weiß über die neuesten Dinge, die es da gibt, über die neuesten Spiele, die's gibt über das was ich.
00:28:14: Und da haben wir immer verschiedene Mitarbeiter, die sich dann auch zuordnen selbst.
00:28:20: In der Prävention bist das ja meistens du oder eben mit Regina, die
00:28:24: alles
00:28:24: abdecken – das Neuste vom Neuesten… Die
00:28:26: Allzweckwassung!
00:28:27: Genau.
00:28:29: Aber bei uns ist es oft so dass wir uns spezialisieren.
00:28:31: zum Beispiel ist das neueste eben Pornografienutzungsstörung.
00:28:35: Das ist ja auch demnächst anerkannt im ICD-ELF also in den als Behandlungsmöglichkeit Und das ist sowas, was uns auch da kommen immer mehr Anfragen.
00:28:47: Dass eben Pornografie süchtig genutzt wird sogar schon von Kindern und Jugendlichen auch und eben auch Kaufsucht.
00:28:56: also diese Verhaltenssüchte die nehmen auch mehr zu dass sie auch zu uns in die Beratung kommen.
00:29:05: Wir haben das Gefühl, dass sich das auch mehr verbreitet in der Gesellschaft.
00:29:09: Corona war da auch wirklich eine Zeit die das sehr begünstigt hat also sehr suchtfördernd Die ganze zeit natürlich Isolationen und auch diese Medien und kaufen und alles so Ersatzbefriedigungen für das was nicht passieren kann Und die Tendenz ist es dann auch nicht so schnell wiederherzugeben sag ich mal.
00:29:30: so Was man sich da
00:29:32: angeeignet hat sozusagen
00:29:35: Glücksspiel, also diese Verhaltenssüchte sind so im Vormarsch würde ich mal sagen.
00:29:40: Ohne dass ich jetzt sagen könnte
00:29:41: explizit
00:29:42: geboomt mit Zahlen aber das ist so die da passiert
00:29:46: einfach im Moment.
00:29:47: Das wird immer mehr ja?
00:29:48: Ja!
00:29:48: Das ist zum Beispiel eine Sache wo ich beim Thema Sucht eben am ersten Moment gar nicht daran gedacht habe.
00:29:54: erst als du sagtest Verhaltendssucht Da war ich auch so, ah Moment ja gibt es ja auch ganz viel.
00:30:00: Wenn ich mir zum Beispiel überlege in meiner Generation war das Spiel World of Warcraft sehr sehr sehr prominent dass die Leute teilweise wirklich nicht zu ihrer Ausbildung gegangen sind weil sie halt einfach zocken mussten und da ist es mir gerade ein bisschen wie Schuppen von den Augen gefallen wo ich dachte ohja!
00:30:17: Das ist ja Wahnsinn!
00:30:18: Da habe ich überhaupt mich dran gedacht und ich glaube das wird von vielen noch nicht verbunden mit einer Sucht.
00:30:27: Manchmal sind es nicht die lautesten Geschichten, die uns am meisten bewegen.
00:30:30: Sondern die von Menschen, die jeden Tag ihren Weg gehen – mit Mut und Leidenschaft!
00:30:35: Mit dem Wunsch dazu zu gehören und etwas zu bewirken.
00:30:37: Genau dafür stehen die Delme Werkstätten.
00:30:41: Hier finden Mensch mit Behinderung nicht nur Arbeit und Bildung sondern auch Gemeinschaft, Unterstützung und die Chance ihre Stärken zu
00:30:48: entfalten.
00:30:48: Tag für Tag entstehen dort Perspektiven, Selbstvertrauen
00:30:51: und Erfolgsgeschichten,
00:30:56: Die Delme wegstecken.
00:30:56: Glauben daran, dass jeder Mensch Talente hat die es wert sind gesehen zu werden.
00:31:01: Denn wahre Helden stehen nicht immer im Rampenlicht.
00:31:03: Manchmal arbeiten sie einfach jeden Tag für mehr Inklusion und Teilhabe in dieser Welt.
00:31:08: Mehr Infos unter delme-wfbm.de.
00:31:16: Ja
00:31:17: doch
00:31:17: mittlerweile schon glaube ich das diese Medien sucht Schon ein Thema ist aber Das wird auch noch abgespalten zum Beispiel Diese Online-Gaming, das ist schon so süchtig.
00:31:31: Aber Handy dreißigtausendmal aufs Handicouppen am Tag ist nicht süchtlich.
00:31:36: Ja also...
00:31:37: Bei!
00:31:38: Dass es so interessant ist die Kinder und Jugendlichen sehen das schon.
00:31:43: Also wenn ich frage in der Aufstellungsübung Ich glaube dass ich süchtige bin da Meistens ist es über die Hälfte der Klasse, die sich zuordnet.
00:31:53: Und dann sprechen wir natürlich ... Was ist Zeitdichnessucht?
00:31:56: Woran erkenne ich das eigentlich?
00:31:57: und sprechen wir genau über diese Geschichten.
00:32:01: Aber die sehen das echt als Problem!
00:32:04: Es ist egal ob ich in einer sechsten oder achten oder zehnten Klasse bin...
00:32:10: Das sehen sie.
00:32:11: Aber das ist ja total schön, dass Sie das sehen.
00:32:13: Dass Sie das bewusst sein dafür entwickeln.
00:32:16: Ich gucke vielleicht ein paar mal zu viel auf meinem Handy Also vielleicht so drei Stunden am Tag zu viel auf mein Handy.
00:32:21: Das ist ja an sich schon eine gute Entwicklung, die unsere Gesellschaft da ein bisschen durchmacht wo ihr auch maßgeblich dabei seid, die Kinder und Jugendlichen einfach zu unterstützen das sie es merken und dass sie vielleicht das Handy dann doch mal so ein bisschen an die Seite legen wenigstens.
00:32:34: Und
00:32:34: das nicht so einfach?
00:32:35: Nee,
00:32:36: nee, nee!
00:32:36: Das klingt so einfach wenn ich das so sage, aber da steckt der harte Arbeit von euch hinter.
00:32:40: Ihr müsst
00:32:40: ja wirklich
00:32:41: hinter sein und die Landkreise müssen dahinter sein, da wirklich präventiv zu arbeiten.
00:32:48: Als das mit den Medien so angefangen hatte, da war unsere Mitarbeiterin ja in den achten Klassen.
00:32:54: Mit Handy und so... Jetzt bewegen wir uns im Kindergarten- und Grundschule, dass da schon in der dritten Klasse werden auf die Handys jetzt schon angeschafft.
00:33:03: Und nicht in der achten Klasse!
00:33:05: Das ist vorbei.
00:33:06: Ja.
00:33:06: Und von daher und dementsprechend gibt es auch schon Eltern, die so sozialisiert sind, dass sie einfach ganz viel im Handy sind.
00:33:14: Das ist einfach ein normaler Gebrauchsgegenstand, sage ich mal so.
00:33:18: Darf es
00:33:19: ja auch sein
00:33:20: aber auch solche Dinge mal ein bisschen sensibel zu hinterfragen.
00:33:25: wie gehe ich damit um?
00:33:26: Wie gehe ich da vor meinem Kind mit um?
00:33:28: Am Abendbrotisch mit um und also solche Dinge.
00:33:31: das ist das was wir versuchen eigentlich immer mal anzuregen dass das auch mal ruhig ein Familienthema sein darf Und dass es dann auch Regeln geben darf und sowas alles.
00:33:41: Also man wird das Handy ja nicht Ganz verbannen, das ist kein... wie beim Alkohol.
00:33:47: Ich trink nix!
00:33:47: Ich hab kein Handy mehr?
00:33:49: Das geht nicht sondern es geht darum gute Regeln zu finden für sich selbst und in Familien zusammenhangt.
00:33:57: Und meine persönliche Meinung damit eben einzuwerfen.
00:33:59: ich bin auch der Meinung dass Medienkompetenz wirklich ab der Grundschule schon unterrichtet werden sollte.
00:34:04: Ein Handy zu verbieten soziale Medien zu verbinden Es quatsch ich persönlich, denke halt wirklich Medienkompetenz.
00:34:11: Das wäre es was glaube ich ja einigen Leuten auch helfen würde.
00:34:15: Wobei es ganz schwierig ist, also wenn wir sagen... Wir unterrichten das in der Grundschule.
00:34:21: Da hat Heike glaube ich schon ganz kurz ein bisschen darauf hingewiesen die Eltern sind
00:34:27: auch
00:34:27: einfach oft Ansprechpartnerinnen und wir haben jetzt die Kinder in den Schulen wo die Eltern eben auch schon mit dem Handy aufgewachsen sind.
00:34:36: und ja wir haben als Eltern einfach eine extreme Vorbildrolle den Kindern gegenüber.
00:34:42: Und es ist schön, wenn man... Deswegen machen wir das ja auch schon in der Kita tatsächlich also dass wir dort mit Erzieherinnen arbeiten und gemeinsam uns Dinge überlegen Elternabende machen und wie mache ich das?
00:34:59: Mit dem Medienpädagogik mit meinem Kind?
00:35:03: Das wird den Eltern da einfach Unterstützung an die Hand geben.
00:35:06: Also auch dafür
00:35:07: seid ihr da
00:35:08: Ja,
00:35:08: auch dafür.
00:35:09: Genau!
00:35:09: Es macht so viel, das ist Wahnsinn!
00:35:12: Wie viele Menschen seid ihr bei euch in der Einrichtung?
00:35:16: Inzwischen?
00:35:16: Wir sind
00:35:17: halt über zwanzig, aber da sind alle drin, aber ich sage mal Prävention und Therapie und Beratung sind wir so vierzehn.
00:35:25: Und Betreuung in der Aufsucht von den vierzehnten und fünfzehnt so um die Dreherung.
00:35:29: Reicht das oder würdest du dir mehr wünschen?
00:35:33: Das sind ja Menschen, es sind nicht alles Vollzeitstellen, sag' ich mal so... Nein,
00:35:38: vielleicht kannst du mal was zur Finanzierung sagen an diesem Punkt.
00:35:42: Wir haben theoretisch eine Vollzeitstelle Prävention für den kompletten Landkreis und das ist natürlich viel zu wenig.
00:35:51: wir versuchen das immer aufzustocken durch Projekte aber selbst diese eine Stelle ist halt auch.
00:35:59: das ist schon schwierig aber dazu kann Heike viel mehr sagen.
00:36:03: Also das ist leider so, dass wir uns in einer ständigen Unterfinanzierung bewegen.
00:36:09: Das ist nicht dem Landkreis – der Landkreist unterstützt es uns wirklich sehr gut und er nimmt seine Aufgabe auch wahr.
00:36:15: Der ist auch dafür zuständig, dass es Suchtberatung gibt für jeden Mensch und da sind wir gut ausgestattet.
00:36:23: Und auch vom Kirchenkreis, der Kirchen Kreis unterstützt das auch, das ist ein Vertrag den die beiden geschlossen haben, in Landkreis möchten.
00:36:34: Und da sind wir auch sehr dankbar, aber es gibt eben noch das Land Niedersachsen was eine Förderung für uns ist die sich nur ganz weh... Also hohe Bedingungen hat, eine volle Präventionskraft Aber dafür nur einen Anteil fast nur ein Viertel der Stelle bezahlt.
00:36:52: und deswegen müssen wir immer wieder gucken dass wir Gelder über Projekte Sponsoren oder über zusätzliche Angebote wie diese MPU-Kurse, diese medizinisch-psychologischen Untersuchungsvorbereitungskurse und betriebliche Sucht.
00:37:10: Und so uns da auch ein bisschen sozusagen aufstellen...
00:37:13: ...und um mal so ein kleines bisschen was zu zeigen ich habe euch ja gebeten klassische Sachen mitzubringen die ihr in eurer Arbeit benutzt!
00:37:20: Was habt ihr uns mitgebracht?
00:37:25: Du hast zunächst gesagt,
00:37:27: bring mal eins mit und dann habe ich gesagt, ich konnte mich nicht entscheiden.
00:37:31: Und das war so mein erster Impuls den ich hatte dass sich Maler Krepp mitgebracht hat.
00:37:37: Also was machen wir mit Malakrep?
00:37:39: Habe ich auch gefragt.
00:37:43: Es gibt ständig irgendwas, das ich an die Wand hängen möchte wenn ich mit Kindern und Jugendlichen in der Schule arbeite.
00:37:50: Ich habe schon viel erzählt von unserer Aufstellungsübung.
00:37:56: Ist das richtig?
00:37:59: Ja.
00:37:59: Also so z.B.
00:38:00: sieht es dann aus, diese beiden Pole häng ich in den Klassenraum und stelle oder sage Aussagen wo sich die Jugendlichen positionieren.
00:38:09: zum Beispiel Ich kenne mich aus mit dem Thema Sucht oder ich kenne jemanden der süchtig ist habe ich glaube auch schon gesagt Oder Süchtige können aufhören sie wollen nur nicht solche Sachen.
00:38:19: Und wir gehen denn genau über diese Fragen ins Gespräch.
00:38:23: und so haben wir ein lockeres Ritual zum Beginn einer Veranstaltung und die Jugendlichen bewegen sich, wir reden schon richtig tief über Sucht.
00:38:34: Und dann gibt es natürlich ganz viele verschiedene Methoden – da habe ich auch mal was mitgebracht!
00:38:40: Genau, das ist unsere Rauschbrille.
00:38:45: Ich hab gedacht
00:38:46: du bringst mir eine Taucherbrille mal.
00:38:47: Es hat ein bisschen was von den Minions?
00:38:49: Ja stimmt!
00:38:54: Also diese Brille simuliert einen Rausch.
00:38:57: also wir nutzen die sowohl im Alkohol als auch im Cannabisbereich in der Prävention.
00:39:04: Wir bauen dann Parkour auf mit verschiedenen Pylonen.
00:39:07: es gibt noch so.
00:39:09: Ja, also mir wird fast ein bisschen schwindelig.
00:39:13: Genau!
00:39:14: Das kann auch sein, dass einem schwindelt
00:39:15: davon.
00:39:18: Wenn wir es jetzt nach... Also ist das eine Alkohol-Brille?
00:39:20: Wie viel pro Mülle hättest
00:39:21: du gerade?
00:39:24: Genau.
00:39:25: Also man guckt nicht genau so, ne?
00:39:27: Wenn man betrunken ist aber das Gehirn kann halt die Bilder nicht zusammenbringen und dann wird einem halt schwindelig vielleicht ein bisschen übel so solche Dinge und dann sollen sie eben durchs Parcours gehen Und von außen sieht es dann wirklich aus als wäre da jemand wirklich definitiv Betrunken und kann überhaupt nicht mehr gerade Auslaufen.
00:39:49: Dann werden die Pylonen umgehauen.
00:39:51: Die Kids lachen und freuen sich über weil die Übung, dass auch immer das was hängen bleibt nach den Veranstaltungen.
00:39:57: Die
00:39:57: haben sie eine
00:39:58: Rauschbrille mit kommt auch oft ganz am Anfang.
00:40:00: Eine Alkoholbrille kennen das schon insbesondere wenn wir schon in den anderen Klassen waren fragen Sie dann danach und Wir wollen ja, dass sich das ankert was wir mit denen machen und Informationen ankern sich besonders gut Wenn man Spaß dabei hat und sich bewegen kann.
00:40:16: Und das ist das große Ziel bei diesem Parkour.
00:40:19: und die haben wahnsinnig viel Freude dran.
00:40:22: Hey, wir wissen das wenn jemand so nach Hause geht.
00:40:25: Nach einer Party ist es eine gute Idee an der Straße lang vielleicht also dann können die damit schon definitiv was anfangen.
00:40:32: genau
00:40:33: dass brachte mich gerade nur menschen ins grübeln weil Ich würde damit nicht mehr Auto fahren und manche Leute setzen sich dann ja wirklich
00:40:41: noch ins
00:40:42: Auto.
00:40:42: Das lesen wir jeden Tag in der Zeit irgendwo, dass jemand mit ... zwei Promille teilweise mehr damit nach Auto fährt?
00:40:49: Genau!
00:40:49: Ich könnte mir nicht mal vorstellen da mit den Sessel hier zu verlassen...
00:40:52: Ja genau!
00:40:53: Also so doof das auch klingt aber man sieht ja gar nichts also alles doppelt und ganz verschwommen.
00:40:59: Manche können es ein bisschen besser, manche trinken das aus, also man sieht doch wirklich doppelt- und dreifach und irgendwann kommt denn oft so Der echte ist der oben rechts, also die meinen die Pylonen dann.
00:41:13: Aber trotzdem selbst wenn man das weiß, ist es nicht so einfach weil man die anderen eben auch sieht und also sorgt immer viel Spaß bei den Veranstaltungen.
00:41:23: Das ist eben auch Part meiner Arbeit.
00:41:24: ich darf ganz viel Spass haben
00:41:26: auf meine Arbeit.
00:41:27: Das stelle ich mir auch lustig
00:41:28: vor, tatsächlich.
00:41:29: Aber irgendwie auch ein Stück weit erschreckend.
00:41:32: Ich glaube vielleicht nehmen kleine Kinder oder junge Leute das noch nicht ganz so richtig war aber als Erwachsene wenn man halt nicht in diese Maße dringt oder süchtig ist es schon bisschen erschreckends eine Brille aufzusetzen.
00:41:44: Also man geht davon aus, wenn jemand Eins Komma Sechs Promille hat oder über zwei sagen wir mal und den Führerschein verliert weil die Polizei das dass man dann eine Gewöhnung hat Wenn man sich an der Alkohol gewöhnt, dann kann der Körper das auch besser verstoffwechseln.
00:42:07: Dann ist es nicht so wie du das jetzt erlebst sondern die meisten haben dann das Gefühl dass sie noch gar nicht so betrunken sind wie Sie uns fühlen und deswegen geht man davon aus wenn es eine hohe Promillezahl ist dass dann eben auch eine Gewöhnung oder eine Abhängigkeit
00:42:27: vorliegt.
00:42:28: Wie gesagt, ich finde das einfach so heftig!
00:42:30: Diese Brille haben mich gerade ein bisschen fertig gemacht!
00:42:35: Ich möchte mal ein kleines bisschen persönlicher mit euch beinwerben... Was macht euch denn Hoffnung in eurem Beruf?
00:42:43: Ja also wie wir das schon eben erzählt haben gehen wir in jedes Gespräch so rein, dass es wirklich zieloffen ist dass man um den Menschen geht und nicht darum jetzt jemanden zu überzeugen oder so, sondern... Und das ist was ich schon immer gerne gemacht habe.
00:43:01: Also mit Menschen arbeiten oder auf die Menschen zugehen oder mit Menschen ins Gespräch kommen und sowas.
00:43:09: Mir macht es immer Hoffnung wenn jemand kommt und sich seinem Thema stellt, in welcher Weise auch immer oder noch gar nicht.
00:43:18: Also ich finde das immer wieder inspirierend dass Menschen ein Interesse haben sich selbst anzuschauen, sich selbst zu verändern und da bin ich immer ganz berührt oft.
00:43:32: Dann gibt es natürlich noch diesen Therapiebereich wo man dann merkt über einen Jahr lang Mensch verändert sich jemand so ist unglaublich wie jemand gekommen ist und wie jemand am Ende der Therapie ist.
00:43:45: Da hat man schon ganz viel Hoffnungsgefühle, dass da einfach Veränderung möglich ist bei den Menschen sozusagen.
00:43:53: Und ich glaube ganz wichtig auch noch mal zu sagen ihr verurteilt nicht, wenn jemand zu euch kommt.
00:43:57: Das ist mir auch nochmal ganz ganz wichtig zu betonen Ihr verurteilt
00:44:01: nicht!
00:44:02: Nicht
00:44:02: so wie vielleicht der Bürger auf der Straße, der da lang läuft aber ihr verurtet nicht.
00:44:09: Also ich glaube dazu sind wir da viel zu tief drin in diesem Thema, als dass uns das überhaupt einfallen würde.
00:44:16: Das ist mal das Erste und mir macht Hoffnung eigentlich jeder Tag in den Schulklassen.
00:44:22: Es sind so viele tolle junge Menschen in den Schulklassen von denen auch ganz viel lerne wirklich jedes Mal.
00:44:29: Ich sage es auch jedes Mal also darum auch dieses Ding auf Augenhöhe ...die mir Dinge erzählen, die mir Dinge berichten.
00:44:38: Ohne die könnte ich das gar nicht machen in meinem Job also wäre ich jedenfalls nicht so gut und dass... Also wenn man jeden Tag mit jungen Menschen zu
00:44:46: tun hat, das gibt auch Hoffnung.
00:44:48: Hält einen auch jung irgendwie?
00:44:49: Absolut!
00:44:50: Seht ihr es auch?
00:44:51: Ich bin die älteste bei uns im Team.
00:44:53: Die junge Leute halten einen noch ein bisschen frisch einfach finde ich.
00:44:57: Was wäre denn anders, wenn es Menschen wie euch oder eure Kollegen nicht geben würde?
00:45:02: Das wäre, glaube ich eine taurige Welt.
00:45:06: Ich glaube wir sehen es ein bisschen wenn wir uns die Entwicklung in der Psychotherapie anschauen.
00:45:14: damit sind wir auch oft konfrontiert dass Menschen haben mit Doppeldiagnosen, die einfach junge Menschen die Psychotherapie benötigen aber einfach keinen Platz
00:45:28: kriegen.
00:45:30: Das ist schon wirklich ein Drama.
00:45:32: also gerade wenn wir von Beratung und Behandlung
00:45:34: sprechen
00:45:35: einfach keine Ansprechpartnerinnen zu haben Und bei der Prävention ist die Sache natürlich eigentlich ganz klar.
00:45:42: Also Vorbeugung immer eine ganz, ganz wichtige Sache.
00:45:48: Und ich glaube das wäre fatal ein fatales Signal wenn man dort kürzen würde oder sowas sogar einstellen würde.
00:45:58: nicht umsonst ist es ja einen Versorgungsauftrag den also Gesundheit ist ja nicht nur es ist einerseits auch eine persönliche sache natürlich aber es gibt doch im versorgen Auftrag für den Landkreis oder für die Gemeinde für die Stadt dass Suchtberatung da sein muss, sozusagen.
00:46:18: Und weil natürlich bei Sucht auch immer eine Verehlennung mit dabei ist.
00:46:24: also wenn man vielleicht nicht von Anfang an und es muss auch nicht dazu kommen aber wenn nichts passiert dann geht das natürlich in der Sucht auf immer weiter und zwar immer weiter in die Richtung dass man nichts mehr verändert und das kann man natürlich durch unsere Arbeit auch verhindern Und das ist ja das Wichtige daran, dass wir da auch spüren.
00:46:50: Wir können die Menschen, die zu uns kommen und die was verändern wollen – da ist auch etwas möglich!
00:46:56: Das wäre dann nicht mehr möglich und es würde ganz viel bedeuten, dass die Menschen auch allein gelassen werden mit ihren sozialen und gesundheitlichen
00:47:04: Problems.
00:47:05: Ja, das wäre schon eine echte Katastrophe eigentlich.
00:47:08: Es ist ja auch ein Kostenfaktor.
00:47:10: Also wenn man jetzt mal aus Sicht des Staates schaut, der eben ja nicht nur verantwortlich ist für das soziale Wohl- und Wehe der Staatsbürgerin.
00:47:22: Es ist einfach definitiv auch ein Kostenfaktor, wenn die Leute keine Hilfe und Unterstützung mehr bekommen.
00:47:27: Wenn keine Prävention mehr stattfindet, anfällig werden für Abhängigkeitserkrankungen und wenn diese überhaupt nicht mehr Beratung finden, keine Behandlung mehr finden.
00:47:39: Dann kosten die irgendwann den Steuerzahler richtig Kohle.
00:47:43: also von daher auch von der kalten Seite betrachtet her ist das absolut sinnvoll dass es uns gibt?
00:47:52: Ja absolut sonst wäre das für einige Menschen einfach so ein ganz wilder Strudel der abwärts geht.
00:47:56: und ja was befindet sich da unten dann?
00:48:00: Wir kommen fast.
00:48:01: Wir kommen schon zur vorletzten Frage.
00:48:03: Die Zeit geht sehr schnell rum mit euch, das finde ich richtig
00:48:05: toll!
00:48:06: Ich liebe
00:48:06: sowas... Was wünscht ihr euch denn, dass unsere
00:48:10: Zuhörerinnen
00:48:11: und Zuhörer nach dieser Folge über Sucht- und Prävention anders sehen?
00:48:15: Ja, dass es einfach kein Zustand ist für den man sich schämen muss.
00:48:22: Das ist eine Erkrankung, die sie auch anerkannt.
00:48:26: Und jedem Menschen kann das passieren, krank wird, dass man Situationen hat die man nicht mehr bewältigen kann weil sie einfach so einnehmend sind.
00:48:39: das kann jedem passieren.
00:48:40: Das kann eine schwere andere Erkrankung sein das können so starke Gefühle sein wie man nicht gut kontrollieren kann und das ist wirklich wirklich gut wenn man das erkennt und sich Hilfe holt also und bereit es Zu uns zu kommen.
00:48:58: und wie gesagt, wir sind nett.
00:48:59: Ja seid ihr definitiv das kann ich bestätigen!
00:49:02: Und wir verurteilen niemanden weil wir genau wissen dass es eben von selbst von uns passieren kann.
00:49:08: also da ist ja niemand sicher davor.
00:49:10: selbst mit ganz
00:49:11: viel Wissen
00:49:12: kann einem noch ganz viel widerfahren Dass man ein Suchtmittel auch mal einsetzt um sich zu beruhigen oder um Stress zu vermeiden.
00:49:21: Also ich würde mir wünschen, dass ganz viele Menschen neugierig sind auf uns, auf sich selbst und das was dann passiert.
00:49:31: Ich glaube dem ist nichts zu viel.
00:49:34: Dann habe ich jetzt noch eine persönliche Frage an euch beide.
00:49:36: also
00:49:37: möchte ich auch gerne
00:49:37: von beiden beantwortet haben.
00:49:39: Ich gebe euch einen kurzen Moment Zeit dafür wer es für dich persönlich ein hält?
00:49:48: Wie gesagt bin bekannt für meine schwierigen
00:49:50: Fragen.
00:49:52: Was ist jetzt gar nicht so einfach?
00:49:53: Nee, es ist auch nicht.
00:49:57: Ich glaube da müssen wir uns ein bisschen hinlavieren.
00:49:59: zu der Antwort.
00:50:00: also ich glaube ein Held eine Heldin für mich persönlich ist jemand der sich seinen Dämonen stellen mag das natürlich jetzt auch wieder auf unser Thema bezogen.
00:50:16: aber auch ein sehr schlauer Mensch das war meine Tochter hat mal zu mir gesagt Der Sinn des Lebens ist für Sie, jeden Tag die beste Version von sich selber zu sein.
00:50:30: Und ich glaube wenn man das schafft dann ist man seine eigene Heldin oder seine eigener Held.
00:50:38: Ja, ich finde es auch ganz schwierig weil ich mag eigentlich dieses Heldentum nicht so gerne.
00:50:44: also jetzt im Negativen.
00:50:45: sie fahren in Fußballspielern oder so.
00:50:47: ich sag mal so ein bisschen dass da mache ich mir ja Feinde weiß ich wohl ne.
00:50:51: aber Aber so dieses totale Hype von Menschen, die vielleicht erfolgreich sind oder viel Geld haben.
00:51:02: Da muss ich mich auch ein bisschen jetzt... Weil ich habe ganz oft Bewunderung für Menschen, wie z.B.
00:51:11: schwer suchtkrank sind und dann wirklich kämpfen.
00:51:15: Einige müssen auch kämpfen!
00:51:17: Die haben jeden
00:51:18: Tag noch Suchtdruck
00:51:19: und haben jeden tag das Gefühl sie schaffen es nicht.
00:51:22: Oder eben auch jemand, der psychisch krank ist.
00:51:24: Eine Depression hat oder so und dann wirklich es schafft sich seinen Dämonen oder seinen Themen zu stellen und immer wieder dran bleibt.
00:51:35: Und sich nicht so schnell entmutigen lässt.
00:51:37: Das
00:51:37: finde ich zum Beispiel etwas was ich sehr bewundere.
00:51:41: also das muss ich wirklich sagen dass es eine Kraft gibt beim Menschen die so viel Zerstörerisches in sich haben die Sucht ja auch lange Jahre genommen haben und dann so diese Kraft haben, sich wieder gesund zu machen.
00:51:58: Oder in einen gesunden Zustand zu bringen.
00:52:00: Das sind Helden oder Heldinnen?
00:52:03: In diesem Sinne sind wir schon am Ende von dieser Folge Stille Helden angekommen.
00:52:08: Vielen vielen Dank noch mal an euch beide dass ihr uns besucht habt für diese Folge Und bis zum nächsten Mal!
00:52:19: Tschüss Präsentiert von den Delme-Werkstellen Qualität von Menschen gemacht.
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